Rückschläge inklusive

von | 05.03.2019 | Gedankenbuch, Wenn plötzlich alles anders ist | 0 Kommentare

Bis jetzt konnte und durfte ich viel Positives schreiben. Aber Krebs ist echt eine fiese Krankheit und ein Arschloch vor dem Herrn – falls man an einen glauben mag. Und natürlich ist es leicht, positiv zu schreiben und zu berichten, wenn es einem doch ziemlich gut geht. So was das bisher bei mir. Ich wurde zwar von verschiedenen Seiten gewarnt, dass sich dies ganz schnell ändern kann – aber will sowas schon hören, wenn es grad gut läuft?

Niemand – auch ich nicht!

Und dann am Wochenende zeigte das kleine Arschloch mir seine fiese Fratze und brachte etwas Neues auf den Plan. Ich bekam jeden Abend, sobald ich etwas zur Ruhe kam, ein heftiges Kribbeln und Reißen in den Beinen. Dieses anfängliche Kribbeln wurde leider ganz schnell zu einem heftigen – wirklich heftigen Schmerz. Dieser Schmerz ließ sich nur mindern, in dem ich rumgelaufen bin, die Beine im Sitzen ständig bewegt und geschüttelt habe. Selbst die Erhöhung meiner Morphin und Novalgin brachte an den Beinen keinerlei Änderung. Ab ca. 2:00 Uhr war ich dann einfach so derart erschöpft, dass ich für zehn bis maximal 20 Minuten endlich einschlief, bzw. war das eher eine Erschöpfungsohnmacht als echter Schlaf. So ging dass dann über Tage. Zur selben Zeit ergab es sich dann auch noch, dass die Schulter nicht mehr wirklich auf die Schmerzmedikation reagiert.

Nach meiner Beschreibung des Schmerzverlaufes wurde das Restless Leg Syndrom vermutet. Gut Behandelbar falls es das wirklich sein sollte.

Montag 04.03. war ich ja dann in der Orthopädischen Uniklinik in Heidelberg und bekam wenigstens dort eine gute Nachricht: Die Schulter muss nicht operiert werden. Es wird Bestrahlung angesetzt. Und schon am Montag merkte ich, dass jetzt auch noch die linke Schulter zu schmerzen anfängt. Das ist natürlich sehr schlecht. Denn mit zwei eingeschränkten Seiten ist an selbstbestimmtes handeln und Leben kaum noch zu denken. Ich werde dann wohl eine Pflegekraft benötigen. Aber darum kümmre ich mich, wenn die Schmerzbaustelle beseitigt ist. Evtl. bringt ja die Bestrahlung rasche Schmerzlinderung und ich bin bald wieder mobiler.

Soweit, so gut – bleiben noch die Schmerzen. Zum einen ist es der Schmerz der mich quält und zweifeln lässt. Aber schlimmer ist die Kombination aus Schmerzen und Schlaflosigkeit, die mir mehrere Horrornächte bescherten. Und es war wirklich Horror für mich. Es ging so weit, das ich nicht wusste wie es weitergehen sollte.
Also hab ich mich bei den Ärzten gemeldet und meinen Notruf abgesetzt. Und nun ging alles ganz schnell. Ab in die Thoraxklinik und versuchen eine Lösung zu finden.

Nach ausführlichen Gesprächen wurde eine neue Schmerzmedikation eingesetzt und auch ein Mittel speziell gegen das Restless Leg Syndrom verabreicht. Das Prozedere begann gegen 17:00 Uhr und linderte meine Schmerzen deutlich. Die Beinschmerzen waren auch deutlich besser. Nicht ganz verschwunden, aber deutlich besser.

Leider dauerte dieser Zustand nur knapp drei Stunden. Gegen 20:00 Uhr war es dann fast so schlimm wie vorher. Es wurden noch zwei weitere Morphium Präparate eingesetzt und jetzt ist es erträglich. Morgen also Gespräche und auch wieder Chemo.

Ihr müsst entschuldigen, aber ich schreibe diesen Text unter Einfluss all der Mittelchen und Spritzen und es fällt mir wirklich schwer, mich richtig auszudrücken. Auch scheint mir das alles ein wenig verworren zu sein. Aber auch das gehört jetzt zu meinem Leben.

Das war es für heute – kann nicht mehr.

Mein Krebs-Gedankenbuch

#fuckcancer

Die Meisten haben es ja schon mitbekommen. Ich habe Krebs. Lungenkrebs, kleinzellig und aggressiv.

Ich habe mich nun endgültig dazu entschlossen, offen mit dem Thema um zu gehen. Ich möchte, dass diejenigen, die es wissen möchten, nicht über Dritte oder Buschfunk mit „Informationen“ versorgt werden.

Hier auf meiner Homepage werde ich von nun an mehr oder weniger Regelmäßig berichten, was ich erlebe und wie ich es erlebe. Somit kann dann jeder selbst entscheiden, ob er teilhaben möchte oder nicht. Die reinen Fakten, meine Gedanken und Gefühle, Reaktionen von Freunden, Bekannten und Verwandten und Geschichten, die mir in dieser Zeit über den Weg laufen. Ich werde auch nicht rein chronologisch vorgehen. Es wird Rückblenden und Erinnerungen geben, die sich irgendwann im Laufe der Zeit und zum Thema ereigneten.

(Das Bild ist von CP Malek und ich liebe es und es passt zu mir)


Wer möchte, kann mir auch gerne schreiben.
Digital an: jko@www.jko-artworx.de 

Oder (ich liebe es) gerne auch noch mit der wunderbar altmodischen Post:

Jan Klug-Offermann
Louis-Goos-Str. 6
74889 Sinsheim